Werner Stöcker hat es mit 71 Jahren geschafft – 3. Platz im Marathon in der Wettkampfklasse M70 bei den Leichtathletik-Senioren-Weltmeisterschaften in Sacramento.

18.07.2011

Werner Stöcker bringt Bronzemedaille vom Marathonwettbewerb mit

Seniorensportler der LG Wittgenstein von der WM aus Sacramento zurück

Sacramento/USA Der 71jährige Werner Stöcker vom Stammverein TuS Erndtebrück und Opa von Lauftalent Nina Stöcker hat sich einen Traum erfüllt – bei der Leichtathletik-Senioren-Weltmeisterschaft erreicht er im Marathon mit sehr guten 3:44,28 Std. einen tollen 3. Platz.

Als der ehemalige Vorsitzende der LG Wittgenstein und Ultraläufer, Dr. Holger Finkernagel und seine Frau Ulrike vor einem Jahr im Seniorenbereich der Ausdauersportler der LGW für die Senioren-Weltmeisterschaft in Sacramento um Teilnehmer warben, hätte sich Werner Stöcker nicht träumen lassen, dabei zu sein. Aber im Laufe des letzten Jahres ließ ihn die Idee, an einer WM teilzunehmen, nicht mehr los und mit der Unterstützung seiner Frau Ingeborg entschied er sich zur Teilnahme im Marathon, einer Distanz, die er bis dahin noch nie gelaufen war. Von dem WM-Virus ließ sich auch der über Wittgensteins Grenzen hinaus bekannte Läufer mit unverwechselbaren Laufstil, der 72jährige Berleburger Herbert Gottschlich anstecken, der seit einigen Jahren mit zwei Knie-Endoprothesen bei fast allen lokalen Laufveranstaltungen dabei ist.

Unter Anleitung und ärztlicher Betreuung von Holger Finkernagel wurden zahlreiche Lauf-Events im Frühjahr genutzt, um das notwendige Trainingspensum zu absolvieren. Für viele Ausdauersportler sicherlich ungewöhnlich wurden auch Marathonläufe in diese Vorbereitung integriert. Im April diesen Jahres lief Werner Stöcker auf Sizilien seinen allerersten Marathon, dem Anfang Juni bereits der zweite in Regensburg folgte.

Unter fachkundiger Reiseleitung von Dr. Holger Finkernagel und seiner Frau Ulrike machte sich das Team aus Wittgenstein bereits Ende Juni auf den Weg bis fast an die Westküste der USA und die 15 Tage vor dem Marathonlauf nutzten die Aktiven zur Akklimatisierung, aber auch zur Gewöhnung und zum Training an den ungewöhnlichen Rundkurs entlang des American River Parkway in Sacramento, der beim Marathon dann fünfmal zu durchlaufen war.

Abstecher in den Yosemity-Nationalpark und in das Tal des Todes (Death-Valley) dienten der geistigen Ablenkung von dem bevorstehenden Rennen. Extrem hohe Temperaturen von bis zu 45 Grad tagsüber ließen bereits das Training zu Tortur werden.

Ulrike Finkernagel, die sich 2 Jahre lang akribisch auf die Teilnahme am Geher-Wettbewerb im 5.000-m-Bahngehen vorbereitet hatte, musste ihre Träume bereits nach 10 Trainingskilometern wegen einer Sprunggelenks-Verletzung aufgeben und die Teilnahme absagen.

Aber auch Werner Stöcker und Herbert Gottschlich hatten mit Blessuren zu kämpfen, die ihre Teilnahme mehr als einmal in Frage stellte. Die gute ärztliche Betreuung vor Ort, unter anderem wurde auch auf traditionelle chinesische Heilkunst vertraut, sorgte dafür, dass alle Wittgensteiner Marathonis am Sonntag, 17. Juli morgens um 5 Uhr an den Start gehen konnten. Der frühe Starttermin war aufgrund der Tagestemperaturen festgelegt worden, um die ca. 300 Läuferinnen und Läufer aller Altersklassen nicht zu gefährden.

Mit einer Durchgangszeit von 1:45 Stunde lag Werner Stöcker zur Halbzeit des Rennens sogar noch auf Silbermedaillenkurs, musste dann aber in der zweite Hälfte dem hohen Anfangstempo Tribut zollen und erreichte als Dritter in der Alterklasse M70 das Ziel hinter dem Olympiateilnehmer von 1972 und 1976, dem Kolumbianer Hernan Barreneche Rios und dem US-Amerikaner Hans Schmid, der einen Vorsprung von 4:28 min auf Werner hatte. Herbert Gottschlich konnte sich in einer Zeit von 5:20,59 Std. den 9. Platz sichern.

Die große Freude, in der Mannschaftswertung die Silbermedaille für Deutschland eingefahren zu haben, konnte man den beiden während der Siegerehrung anmerken.

Für Dr. Holger Finkernagel waren die Temperaturen morgens um 5 Uhr, als zum Marathon gestartet wurde, zu kalt. Er erreichte sein gestecktes Ziel nicht, fand zu keiner Zeit des Laufes seinen Rhythmus und musste sich am Ende mit einer Zeit von 4:38:33.6 Std. mit Platz 16 begnügen.

Während der zwei Wochen dauernden WM konnten alle deutschen Teilnehmer noch vielen der Entscheidungen in der Leichtathletik beiwohnen und es bleibt ihnen wohl unvergessen, die älteste Sportlerin zu beobachten, die aus Mexiko kam, um mit 94 Jahren (!) am 5-km-Geherwettbewerb teilzunehmen. Und dann war da noch Leland McPhie, der mit 97 Jahren noch am Hoch- und Weitsprung teilnahm.

Der Mut und die Ausdauer dieser Sportler sind ein Beispiel für eine kluge Lebensführung im Alter. Vielleicht dient ihr Beispiel dem einen oder anderen dazu, selbst den Mut zu haben, sich sportlich zu betätigen, auch im hohen Alter.
Für die Seniorensportler war die Teilnahme an den Weltmeisterschaften ein wunderbares Erlebnis, das sie noch lange in ihren Gedanken begleiten wird.

Beim Blick zurück wird den meisten der über 200 deutschen Teilnehmer die athletenfreundliche Wettkampfsituation mit kompetenten, stets sehr freundlichen Kampfrichtern und Volunteers in Erinnerung bleiben. Die Unzulänglichkeiten mit einigen schwer zu akzeptierenden Rahmenbedingungen werden hierbei mit der Zeit in den Hintergrund treten.